«Dafür muss nicht das FBI eingeschaltet werden»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Nach dem Ende von Megaupload verzeichnet das Zuger Unternehmen Rapidshare eine Zunahme der Seitenaufrufe.

Man biete einen «völlig legalen Service» an, sagt Firmenchefin Alexandra Zwingli im Interview.

«Unser Dienst ist vergleichbar mit Dropbox»: Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli. Bild: Keystone

Die US-Behörden werfen Megaupload Produktpiraterie vor, haben das Portal schliessen und die Betreiber verhaften lassen. Erwarten auch Sie nun rechtliche Schritte gegen Ihr Unternehmen?

Nein. Wir unterscheiden uns von Diensten wie Megaupload in vielen wesentlichen Punkten. Einer der Hauptunterschiede zwischen Rapidshare und Diensten wie Megaupload ist, dass wir uns nie dem rechtlichen Zugriff irgendwelcher Behörden entziehen wollten. Die Rapidshare AG wurde in der Schweiz gegründet, war immer tatsächlich an der im Impressum angegebenen Adresse ansässig und wurde immer unter echten Namen ohne irgendwelche anonymen Zwischenfirmen geführt. Rapidshare bietet einen völlig legalen Service an.

Darüber kann man streiten.
Wir offerieren einen sicheren Online-Speicherplatz, den unsere Kunden zum Speichern und Verwalten ihrer Daten nutzen. Unser Dienst ist vergleichbar mit Diensten wie Yousendit oder Dropbox.

Warum sind Sie so überzeugt, dass Sie sich nicht in einer rechtlichen Grauzone bewegen?
Filehosting respektive Cloudhosting ist grundsätzlich ein völlig legaler Service. Wir bieten unseren Nutzern die Möglichkeit, ihre privaten oder beruflichen Dateien auf unseren Servern zu speichern und zu verwalten. Die Legalität unseres Service ist uns von verschiedenen Gerichten bestätigt worden. Es besteht lediglich eine Diskussion darüber, wie stark wir bei Missbrauch unseres Dienstes in die Verantwortung genommen werden können beziehungsweise zu präventiven Massnahmen gegen mögliche illegale Handlungen unserer Kunden verpflichtet sind. Wir wollen, dass unsere Kunden ihre Daten sicher ablegen können und wollen niemanden mit Raubkopien locken. Deswegen haben wir beispielsweise auch kein Vergütungssystem für Nutzer, deren Dateien besonders häufig heruntergeladen werden, wie es bei anderen Speicherplatzanbietern der Fall ist/war.

Rapidshare ist nach der Schliessung von Megaupload.com eine der grössten verbleibenden Fileshare-Sites. Wie ist die Nutzungsentwicklung in den letzten Tagen?
Wir möchten nochmals klarstellen, dass Rapidshare eben keine Filesharing-Seite ist, sondern ein Filehosting/Cloudhosting-Dienst. Zu Ihrer Frage: Wir stellen tatsächlich eine Zunahme der Seitenaufrufe fest. Das kann zum einen darauf zurückzuführen sein, dass durch die hektische und teilweise undifferenzierte Diskussion der letzten Tage etliche User verunsichert waren und einfach einmal nachschauen wollten, ob wir noch online sind.

Oder sie weichen nach dem Megaupload-Ende auf Ihren Service aus.
Es wäre natürlich denkbar, dass wir zusätzliche Nutzer von den jüngst geschlossenen Filehostern erhalten haben – ob Nutzer mit legitimen Interessen oder illegale Filesharer, ist schwer zu sagen. Da wir mit letzterer Gruppe nichts zu tun haben wollen, haben wir unser Anti-Abuse-Team angewiesen, besonders auf entsprechende Entwicklungen zu achten. Für illegale Filesharer ist bei uns kein Platz.

Auch auf Rapidshare wird viel urheberrechtlich geschütztes Material getauscht…
…auf Rapidshare werden keine Dateien getauscht! Grundsätzlich kann nur derjenige, der eine Datei hochgeladen hat, diese auch wieder herunterladen.

Es sei denn, er macht den Download-Link öffentlich.
Das geschieht in der Tat immer wieder. Allerdings ist der Anteil der Nutzer, die unseren Dienst für die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken nutzen, in der absoluten Minderheit gegenüber denjenigen Nutzern, die Rapidshare für vollkommen legale Zwecke nutzen.

Wie überprüfen Sie das?
Täglich werden auf unsere Server rund 400’000 Dateien hochgeladen. Bei einer solchen Menge an Daten ist eine manuelle Überprüfung jeder Datei unmöglich. Wie jeder andere seriöse Datendienst bieten wir Rechteinhabern jedoch die Möglichkeit, uns über Urheberrechtsverletzungen zu informieren. Solche Dateien werden dann von unserem Anti-Abuse-Team umgehend entfernt. Ausserdem sucht das Team aktiv auf einschlägigen Szene-Seiten nach Download-Links, die zu urheberrechtlich geschütztem Material führen, und sperrt die Accounts von «Wiederholungstätern». Bereits im Oktober 2008 wurde bei Rapidshare darüber hinaus eine Registrierungsprozedur eingeführt, die Kunden durchlaufen müssen, um bestimmte elementare Funktionen des Dienstes benutzen zu können.

Sind bis zum heutigen Zeitpunkt Schweizer Behörden wegen Ihres Angebots mit Ihnen in Kontakt getreten?
Schweizer Behörden haben uns schon des Öfteren kontaktiert, nicht wegen unseres Angebots, sondern wegen einzelner Fälle illegal hochgeladener Dateien. Wir beschäftigen einen internen Juristen, der solche Anfragen bearbeitet.

Und wie präsentiert sich die Zusammenarbeit mit der Musik- und Filmindustrie?
Wir kooperieren mit der Content-Industrie und führen seit längerem einen fruchtbaren Dialog mit den zuständigen Stellen. Falls beispielsweise ein Label den Rapidshare-Downloadlink zu einem Album eines ihrer Künstler findet, schicken sie uns den Link und wir entfernen die Datei umgehend. Dafür muss nicht das FBI eingeschaltet werden.

Künstler stecken viel Arbeit in ihre Werke – und diese können dann auf Portalen wie Rapidshare gratis heruntergeladen werden. Finden Sie das okay?
Wir sind – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, die man kaum verhindern kann – eine saubere Plattform für die Speicherung und Verwaltung grosser Dateien. Grundsätzlich gilt aber: Natürlich sollten die Urheber für ihre kreative Arbeit entlohnt werden. Deswegen tun wir ja alles in unserer Macht Stehende, um Urheberrechtsverletzungen über unsere Plattform zu verhindern.

Interview: Reto Knobel, Anatol Heib. Aktualisiert am 26.01.2012 1 Kommentar